Vorwort
Als ich mich vor einigen Jahren das erste Mal mit DHTML[1] auseinandersetzte, kam ich zu dem Schluss, dass sich diese Technologie wohl nicht durchsetzen würde. Zwar überzeugte mich die Idee, Webseiten dynamisch auf dem Client verändern zu können, doch Browserunterschiedene und schlechte JavaScript-Implementierungen führten mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. So führte DHTML während der drauffolgenden Jahre ein Schattendasein und nur die wenigsten Entwickler wagten es, die Technologie auch für nicht-triviale Web-Anwendungen einzusetzen. Wie groß das Misstrauen gegenüber DHTML zu dieser Zeit war, lässt ein Satz erahnen, den ich 1999 in einem Web-Forum las: „Don’t use JavaScript, it just doesn’t work“ (Benutz kein JavaScript, es funktioniert einfach nicht).
Knappe sechs Jahre später schrieb der Autor Paul Graham in einem Artikel auf seiner Website folgenden Satz: „Basically, what Ajax means is, Javascript now works‘.“ (Ajax bedeutet im Wesentlichen, dass JavaScript jetzt funktioniert.) JavaScript und damit auch DHTML hat sich, entgegen meiner Prognose, also doch durchgesetzt – wenn auch mit Verspätung. Natürlich spricht inzwischen keiner mehr von DHTML, doch alle Grundkonzepte von DHTML finden sich auch in der Ajax-Technik wieder. Mit Hilfe von Ajax wird aus einer zunächst statischen HTML-Seite eine interaktive Browser-Anwendung. Dass Ajax dabei lästige Seiten-Reloads eliminieren kann, trägt nicht unerheblich zu diesem Effekt bei. Heute, etwa zwei Jahre nach Entstehen des Begriffs Ajax ist das Interesse an dieser Programmiertechnik, entgegen mancher Vermutung, ungebrochen. Vor allem aber ist die Auseinandersetzung mit Ajax ein ganzes Stück seriöser geworden, denn die Ajax-Entwickler der ersten Stunde hatten inzwischen genug Zeit, sich „auszutoben“.
Heute ist Ajax ein Werkzeug wie viele andere. Das heißt allerdings nicht, dass über Ajax das letzte Wort bereits gesprochen wäre. Tatsächlich gibt es in diesem Bereich ständig neue Entwicklungen – und das wird sich so schnell auch nicht ändern.
[1] DHTML oder „dynamisches HTML“ beschreibt den Einsatz einer Skriptsprache (üblicherweise JavaScript) zur Manipulation einer HTML-Seite.